Vertrauen Sie sich keinem Headhunter an!

Nein, ich störe mich weder am unschönen Anglizismus, noch an der Bedeutung des deutschsprachigen Synonyms (Kopfjagd meint immerhin die Erbeutung von Köpfen getöteter Gegner), der Begriff Headhunting hat sich schliesslich längst eigenständig etabliert: Laut Duden ist ein Headhunter «jemand, der Führungskräfte abwirbt» und damit etwas ganz Legales tut. Was ich anprangere, ist die Tatsache, dass es im Executive Search tatsächlich oft nur um den Kopf statt um die ganze Persönlichkeit geht.

Vorab: Ich bin selbst in diesem Metier tätig und werde hier keine Kollegenschelte betreiben. Aber: Es gibt nirgends so dramatische Qualitätsunterschiede wie in der Personalberatung. Auf Deutsch: Es gibt die Erstklassigen und die miesen Kröten. Und dazwischen die ganze Bandbreite von Amateuren, Korrekten und Begabten. Die Übelsten sind die Getriebenen, welche im wahrsten Sinn des Wortes Köpfe schiessen, diese wie Jagdhunde zu ihren Auftraggebern tragen und kräftig abkassieren.

Wenden wir uns also der zentralen Frage zu:

Was macht erstklassiges Executive Search aus, das nicht nur auf den Kopf zielt?

Vertiefte Recherchen, Besuche des Unternehmens und Gespräche vor Ort sowie differenzierte Stellen- und Anforderungsprofile sind Selbstverständlichkeiten, über die wir nicht reden müssen. Die Differenzierungskriterien liegen anderswo:

  1. Bewusste Spezialisierung. Kein Headhunter der Welt kann sich in alle Branchen, Tätigkeiten und Hierarchiestufen eindenken. Im besten Fall beschränkt er sich auf die Welt, in der er selbst unternehmerisch tätig war.
  2. Echte Wertschätzung. «Echt» heisst: ohne Floskeln, einstudierten Händedruck und vorgebeugten Kopf mit bohrendem Blick. Vertrauenswürdige Headhunter wirken ruhig, interessiert sowie respektvoll. Sie nehmen mit allen Sinnen differenziert wahr und sehen Ihren Beruf als Beziehungs- (nicht Dossier-)pflege.
  3. Professionelle Persönlichkeitsdiagnostik. Profis zielen nicht nur auf den Kopf und damit auf das Fachwissen, sondern können die ganze Persönlichkeit einschätzen. Idealfall: Headhunter mit individualpsychologischem Knowhow und Verständnis für Identitäten und Biografien.
  4. Beharrliche Überzeugungsarbeit. Die besten Headhunter sind Werber. Sie verstehen Emotionen, Wünsche und Sprache ihrer Zielperson und gewinnen durch überzeugende Argumente.
  5. Bedingungslose Ehrlichkeit. Headhunting ohne Integrität und Fairness scheitert immer – manchmal früher, manchmal später. Umgekehrt: Wer souverän mit offenen Karten spielt, verdient und gewinnt Vertrauen.
  6. Langer Atem. Auch die Bereitschaft, mehrmals von vorne zu beginnen, zeichnet den Profi aus: vermeintliche Lösungen hinterfragen, kurz vor dem vermeintlichen Abschluss loslassen, was nicht zu 101 % passt, und erneut durchstarten …
  7. Authentische Freude. Dossier abgeben, Rechnung stellen und das nächste Mandat akquirieren? Nein. Den exzellenten Headhunter erkennen Sie auch daran, dass er bei Vertragsabschluss tiefes Glück ausstrahlt und mit Auftraggeber und neuer Spitzenkraft auf den erfolgreichen Prozess anstösst.

Wenn Sie diese sieben Kriterien beachten, dürfen Sie meine Headline guten Gewissens ignorieren und sich Ihrem Headhunter ruhig anvertrauen.

Herzlich
Ihr André Kesper

André Kesper arbeitet unter dem Motto «Ruhig die Besten wählen» als Headhunter im Executive Search und führt das Kommunikationsunternehmen Kesper Wegelin AG in Winterthur.

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