Nie mehr Smalltalk!

Von Nicolas – Er hat einen schlechten Ruf, man will ihn möglichst vermeiden – und trotzdem schlägt er immer wieder zu: der Smalltalk! Doch jeder, der in die Smalltalk-Falle tappt, ist absolut selbst schuld! Ein Smalltalk bahn sich ja meistens an:

Beim Arbeitskollegen täuscht man Interesse vor.

  • Wie war dein Wochenende?
  • Und, das Regenwetter gut überstanden?
  • Hast du mal noch Ferien geplant?

Beim alten Bekannten lässt man sich updaten.

  • Arbeitest du immer noch bei Langweiler & Partner?
  • Wohnst du immer noch in Entenhausen?
  • Wie geht es der Familie?

Bei einer kurzen Zwangsgemeinschaft einigt man sich auf ein gemeinsames Thema.

  • Hast du schon Weihnachtsgeschenke gekauft?
  • Dieser Sommer war ein Witz.
  • Morgen soll es schönes Wetter werden.

Ist man besonders cool, macht man ein keckes (und halt doch langweiliges) Statement.

  • Ich bin ja eigentlich gar nicht der Weihnachtstyp.
  • Ich mag Trump nicht, aber das Trump-Bashing ist ja auch doof.
  • Ich gehe lieber im Winter in die Ferien als im Sommer. Im Sommer ist es hier ja auch schön.

Und die Königsdisziplin ist der sogenannte Ankunftssmalltalk:

  • Und, haben Sie uns gut gefunden?
  • Sind Sie mit dem Zug oder mit dem Auto gekommen?
  • Welche Route haben Sie genommen?

So verhindern Sie Smalltalk!

Stufe 1 – Aktion

Stellen Sie keine Fragen, machen Sie Unterstellungen!
Wenn Sie wirklich etwas von Ihrem Gegenüber erfahren möchten, dann stellen Sie keine Frage, sondern tippen Sie dessen Antwort!

  • «Irene und du haben bestimmt schon drei Kinder.»
  • «Du bist bestimmt schon CEO in deiner Firma.»
  • «Sie sind sicher mit dem Zug gekommen, schön in der ersten Klasse.»

Folge: Diese Methode verheisst ein spannenderes Gespräch als Frage–Antwort. Ihr Gegenüber gibt Ihnen Auskunft, will aber wissen, wieso sie auf Ihre Vermutungen gekommen sind. Das Gespräch wird locker und dynamisch.


Stufe 2 – Irritation

Geben Sie Antworten, die man nicht erwartet.

Beim Smalltalk weiss man meist genau, was das Gegenüber in etwa antwortet. Jedes Gespräch hat man schon hunderte Male mit anderen Menschen geführt. Sorgen Sie deshalb für neue, überraschende Antworten.

  • Und, gutes Wochenende gehabt?
    – «Das Schlechteste aller Zeiten. Zum Glück ist Montag.»
  • Warst du schon in den Ferien?
    – Ja, drei Wochen am Usbekischen Meer.»
  • Und, haben Sie uns gut gefunden?
    – «Ich finde Sie noch immer gut.»

Folge: Egal, ob ihre Antwort stimmt oder nicht, und egal, ob Sie kurz darauf auflösen oder die kleine Lügengeschichte weiterspinnen: Das Gespräch nimmt auf jeden Fall einen neuen Verlauf. Die langweilige Smalltalk-Ebene wird verlassen.


Stufe 3 – Prokovation

Stellen Sie Gegenfragen.

Ersticken Sie den Smalltalk im Keim, indem Sie die langweilige Frage Ihres Gegenübers in Frage stellen.

  • Und, gutes Wochenende gehabt?
    – «Was denkst du denn?»
  • Warst du schon in den Ferien?
    –  «Willst du mich etwa einladen?»
  • Und, haben Sie uns gut gefunden?
    – «Kommt darauf, wer Sie sind?»

Folge: Der Smalltalk ist mit Ihrer Gegenfrage beendet, Sie haben aber ein neues Fass geöffnet. Je nachdem entwickelt sich nun ein ironisches Gespräch, ein Flirt oder ein Streit.


Stufe 4 – Eskalation

Sprechen Sie Klartext!

Je nachdem, wie gross Ihre Smalltalk-Krankenakte ist, kann es bald zum emotionalen Ausbruch kommen. Sie entlarven Ihr Gegenüber schonungslos!

  • Ich bin ja eigentlich gar nicht der Weihnachtstyp.
    – «Das sagen doch alle!»
  • Ich mag Trump nicht, aber das Trump-Bashing ist ja auch doof.
    – «Und dein Trump-Bashing-Bashing ist nun besser?»
  • Ich gehe lieber im Winter in die Ferien als im Sommer. Im Sommer ist es hier ja auch schön.
    – «Ich mache auch lieber unter der Woche frei. Am Wochenende habe ich ja eh frei.»

Bitte wenden Sie diese Version nur bei Menschen an, auf die es Sie schon lange abgesehen haben. Bei netten Menschen, die nicht anders können als nett und small zu talken, fahren Sie mit Stufe 1–2 wesentlich besser.


UND, WIE HAT IHNEN DIESER ARTIKEL GEFALLEN? MORGEN WIRD ES ÜBRIGENS SCHÖNES WETTER!

Titelbild von Miguel Mendez

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