Und wie irrational ticken Sie?

Heute Abend werden Millionen Schweizer Fussballfans vor dem Fernseher sitzen und der Nati fieberhaft beide Daumen drücken. Sollte sich das Team für die WM 2018 qualifizieren, werden Jubelstürme losbrechen, unzählige Bierflaschen geleert, vielleicht sogar Autocorsos mit Huporgien organisiert. Menschen werden in Verzückung geraten, obwohl sie keinerlei realen Nutzen von einem Sieg haben. Weshalb?

Die Frage nach den Gründen für Ihre irrationale Begeisterung wird noch grösser, wenn Sie sich vor Augen halten, dass andere beträchtliche Vorteile eines Sieges geniessen, während Sie leer ausgehen:

  • Spieler und Trainer streichen fette Prämien ein. 
  • Zudem können Sie sich während der WM im Schaufenster präsentieren und dadurch lukrative Verträge als Sportler und Werbebotschafter abschliessen. 
  • Weltkonzerne gewinnen als Nati-Sponsoren Aufmerksamkeit und Sympathie.
  • Der Schweizer Fussballverband wird an Renommee zulegen und für Sponsoren noch interessanter werden.
  • Das Schweizer Fernsehen wird dank hoher Einschaltquoten Werbekunden gewinnen.

Sie profitieren also nicht und jubeln trotzdem. Was bewegt Sie dazu? Der reine Unterhaltungswert der 90 Minuten allein wird Sie kaum in Begeisterungsstürme versetzen. Vielmehr stehen drei andere Faktoren hinter Ihrem irrationalen Verhalten:

  1. Die Nati ist Teil Ihres Lebens und Ihrer Erinnerungen. Marco Strellers Penalty, die Schlacht von Istanbul, Köbi und Alice Kuhn … Solche und noch weit mehr Ereignisse haben starke Emotionen ausgelöst, die Sie intuitiv immer wieder erleben möchten. 
  2. Sie freuen sich bereits auf 2018. Der Sieg verspricht Ihnen einen glücklichen Sommer 2018: heisse Juni-Tage, Public-Viewing mit Freunden, kühles Bier … Sehnsüchte werden gestillt.
  3. Sie sind Teil einer Nati-Community. Gemeinsames Diskutieren, Hoffen, Trauern und Jubeln schafft Beziehung und vermittelt Ihnen das Gefühl, dazuzugehören.

Falls Sie Unternehmerin bzw. Unternehmer sind, drängt sich natürlich die Frage auf: Wie schaffen Sie es, dass sich Ihre Kunden ebenso irrational wie Fussballfans mit Ihrem Produkt identifizieren? Folgende fünf Fragen helfen Ihnen beim Nachdenken:

  1. Schaffen Sie rund um Ihr Produkt emotionale Erlebnisse?
  2. Kennen Sie die heimlichen Träume und Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe?
  3. Mit welchen Worten versprechen Sie die Erfüllung von Sehnsüchten?
  4. Wie gewinnend treten Sie selbst als wichtigster Markenbotschafter Ihres Produkts auf?
  5. Hat Ihr Produkt ein prägnantes und einheitliches Erscheinungsbild?

Vielleicht ist der Oktober, wenn am Horizont bereits das neue Jahr 2018 erscheint, der perfekte Zeitpunkt, um Strategien zu überdenken und Pläne zu schmieden.

Übrigens – ich tue diese Woche noch etwas weit Dümmeres als Fussball zu schauen: Ich werde an die OLMA gehen. Ich tue dies Jahr für Jahr und suche dort wohl unbewusst nach meinen romantischen Kindheitserinnerungen. Ich weiss, ich werde sie nicht finden, und ich weiss ebenso, dass mir weder die Angebote noch die Atmosphäre in den übervollen Hallen Spass machen werden. Ich werde trotzdem nach St. Gallen fahren und mir ein teures Tagesticket kaufen. Einfach, weil ich ohne OLMA traurig wäre. Lachen Sie mich ruhig aus.

Herzlich, André Kesper

PS: Gehen Sie auch an die OLMA? Treffen wir uns zu einem Glas Wein in Halle 1.0?  😉

André Kesper hat als Werbetexter vier Award-Nominationen gewonnen und führt mit seiner Partnerin gemeinsam die Agentur Kesper Wegelin AG in Winterthur. Zudem arbeitet er unter dem Motto «Ruhig die Besten wählen» als freier Headhunter.

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