VORSICHT: Stellen Sie niemals eine Führungspersönlichkeit ein!

Sind Sie ein eigeninitiativer, belastbarer, flexibler, offener, kommunikativer, konfliktfähiger, zielorientierter, fokussierter, dynamischer, motivationsstarker sowie ausdauernder Leader, Macher, Teamplayer und Coach, und handeln Sie analytisch, strategisch, unternehmerisch, eigenverantwortlich, transparent und wertebasiert? Falls ja: Glückwunsch, Sie zählen laut Einschätzung vieler Experten zur Elite der Führungspersönlichkeiten. Für mich nicht. 

Wenn ich beauftragt werde, für ein Unternehmen oder eine Organisation eine Kaderperson zu finden, darf ich viele angenehme Gespräche mit sympathischen Menschen führen, meist in einem schönen Café. Jede Person ist dabei wieder völlig anders und fasziniert mich auf ihre eigene Weise. Früher habe ich solche Gespräche mit einem Fragenkatalog im Hinterkopf geführt:

  • Mit welcher Etikette würden Sie sich selbst beschriften?
  • Wie sieht Ihr Alltag in 10 Jahren aus?
  • Was würde mir Ihr Mitarbeiter über Sie erzählen?
  • Welches war Ihre beste Entscheidung?
  • Weshalb interessieren Sie sich für eine neue Stelle?

Nichts gegen solche Fragen. Ich setze sie nach wie vor mit Zurückhaltung ein, um bei einer Persönlichkeit, die mich brennend interessiert, in die Tiefe zu gehen. Einfach nicht mehr am Anfang des Gesprächs.

In den ersten fünf Minuten suche ich viel mehr nach dem alles entscheidenden Merkmal, das mir zeigt, ob eine geeignete Persönlichkeit vor mir sitzt oder nicht. Und ja, es gibt ein solches Attribut. Eines, das praktisch alles über das Potenzial eines Menschen aussagt. Wenn ich es finde, freue ich mich auf ein spannendes Gespräch, wenn es fehlt, beende ich das Treffen so rasch als möglich. Sie ahnen, wovon ich spreche?

Dieses Leuchten in den Augen

Echte Führungspersönlichkeiten strahlen. Nicht, dass sie immer lachen würden, aber sie haben dieses unwiderstehliche Leuchten in den Augen. Manchmal offensichtlich, manchmal muss man genauer hinschauen. Wenn Sie von ihren Plänen sprechen, dann werden ihre Augen wärmer, grösser und heller. Man nennt dieses Phänomen auch Begeisterung. 

Begeisterte Frauen und Männer sind bessere Führungspersönlichkeiten. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer – nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern weil es genügend Beweise aus Psychologie und Hirnforschung gibt. Mit kindlicher Begeisterung:

  1. ist man offener für Neues und lernt viel schneller.
  2. entwickelt man freiwillig Initiative.
  3. kreiert man ganz spielerisch strategische Ideen.
  4. übernimmt man gerne Verantwortung und identifiziert sich mit einer Sache.
  5. repräsentiert man Arbeitgeber und Produkte glaubwürdiger.
  6. verkauft man besser.
  7. kann man Teams mitreissen.
  8. engagiert man sich leidenschaftlich für Verbesserung und Fortschritt.
  9. handelt man loyaler, ehrlicher und transparenter.
  10. bleibt man einem Projekt länger treu.

Begeisterung ist übrigens nicht zu verwechseln mit Überschwang. Je nach Typ kann das Leuchten in den Augen auch ganz sanft und leise sein.

In diesem Sinn schwäche ich meine Warnung im Titel ab: Stellen Sie ruhig eine Führungspersönlichkeit an, aber schauen Sie ihr zuerst tief in die Augen. Und falls Sie unsicher sind: Ich nehme Ihnen die Suche gerne ab.

Herzlich
André

André Kesper arbeitet unter dem Motto «Ruhig die Besten wählen» als freier Headhunter. Zudem hat er als Werbetexter vier Award-Nominationen gewonnen und führt mit seiner Partnerin, der Innenarchitektin Eva Rebekka, gemeinsam die Agentur Kesper Wegelin AG in Winterthur. 

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