Wer das Weihnachtsessen schwänzt, gehört entlassen!

Kennen Sie das: Ihre ambitionierte Leiterin Backoffice hat für Mitte Dezember ein attraktives Abendprogramm für die Belegschaft organisiert: Apéro direkt nach Büroschluss in einer angesagten Bar, danach Indoor-Minigolf sowie Nachtessen bei Weisswein, Bier und Raclette à discretion. Kaum intern kommuniziert, treffen schon die ersten Absagen ein: Grippevirus, Familientermin, Schulanlass des Patenkindes. Dabei ist das Weihnachtsessen unerlässlich für das Team-Building! Ist es das?

Falls Sie Ihr Weihnachtsessen noch nicht fix geplant und angekündigt haben, sollten Sie sich drei Fragen nach dem effektiven Wert des Anlasses stellen:

Wer mag das Weihnachtsessen?

Vorab: Kein Weihnachtsessen der Welt dient dem Team-Building. Dieses geschieht während der gemeinsamen Projektarbeit und allenfalls dort, wo sich Mitarbeitende in der Freizeit freiwillig und spontan treffen. Weil sie sich mögen, nicht weil es von oben verordnet wurde. Zur Frage, wer das Weihnachtessen mag:

  1. Die Sachlichen? Orientieren sich an Fakten und arbeiten gerne allein. Sie sind keine Stimmungskanonen und können Smalltalk nicht ausstehen. Weihnachtessen: mögen sie nicht.
  2. Die Dominanten? Orientieren sich am Wettbewerb und einer klaren Hierarchie. Sie lassen sich nicht besonders gern auf untere Etagen herunter. Weihnachtsessen: mögen sie nicht.
  3. Die Beziehungsorientierten: Orientieren sich am zwischenmenschlichen Kontakt und suchen stets die Harmonie im Team. Weihnachtsessen: lieben sie heiss.
  4. Die Kreativen: Orientieren sich an Spass und Neuem und inszenieren sich gerne auf der Bühne. Sie sind sehr spontan und hassen Termine. Weihnachtsessen: mögen sie nicht.

Zwischenbilanz: Je nach Teamkonstellation verabscheuen ca. 75 % des Teams Weihnachtsessen. Wenn Sie zusätzlich die Annahme treffen, dass die Generation Y keinen Bezug zu solchen Traditionen hat, sind es vielleicht sogar über 80 %. Ihr Anlass befriedigt also ca. 20 % des Teams …

Wie fühlt sich Ihr Team danach?

Meine Antwort auf diese Frage beruht auf knapp 30-jähriger Erfahrung und zahlreichen Gesprächen. Würden alle Mitglieder Ihres Teams unmittelbar nach dem Anlass ihre Befindlichkeit in einem einzigen Satz ausdrücken, würden sich die Statements in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit wie folgt aufteilen:

  1. «Überstanden! Und jetzt in den Ausgang!» 
  2. «Mir ist übel. Ich hasse Raclette!» 
  3. «Ohne Alkohol hätte ich es nicht ausgehalten!» 
  4. «Pech, dass ich neben X.Y. sitzen musste. Komischer Typ.» 
  5. «Die Rede war peinlich. Und der Bonus enttäuschend klein.» 
  6. «Nächstes Jahr erfinde ich auch eine Ausrede.» 
  7. «Das war richtig gemütlich.» (Statement der beiden Ü50 aus dem Backoffice)

Apropos Ü50: Manche Führungsperson dieser Generation neigen zur Haltung, man solle sich halt überwinden und mit der Teilnahme am Weihnachtsessen Teamspirit demonstrieren. Diese erzieherische Haltung führt nach wie vor dazu, dass die Mehrheit der Belegschaft praktisch widerstandslos teilnimmt und so tut, als habe sie Spass. Sie ändert nichts daran, dass das Weihnachtsessen dem Unternehmen viel mehr negative als positive Emotionen beschert.

Welche Alternativen gibt es?

Keine. Verfügen Sie nicht über die Freizeit Ihrer Mitarbeitenden. Und verordnen Sie keinen einzigen geselligen Anlass. Zeitgemäss sind dafür folgende Massnahmen:

  1. Etablieren Sie im Arbeitsalltag eine Kultur des Vertrauens und der Wertschätzung.
  2. Bieten Sie Räume, in denen man sich frei und wohl fühlt.
  3. Zahlen Sie einen möglichst grosszügigen Lohn.
  4. Pflegen Sie natürlichen Humor.
  5. Sorgen Sie während der Arbeitszeit für anregende Weiterbildungsformen.

Und überlassen Sie alles andere Ihren Mitarbeitenden. In Freiheit und einer guten Atmosphäre betreiben diese eigenständig die effektivste Form des Team-Buildings.

Fazit:
Das Gegenteil der Titelaussage ist wahr! Wer immer noch am traditionellen Weihnachtsessen festhält, versteht die neue Generation nicht. Abschaffen oder freiwillig anbieten.

Herzlich
André

André Kesper hat als Werbetexter vier Award-Nominationen gewonnen und führt mit seiner Partnerin, der Innenarchitektin Eva Rebekka, gemeinsam die Agentur Kesper Wegelin AG in Winterthur. Zudem arbeitet er unter dem Motto «Ruhig die Besten wählen» als freier Headhunter.

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