Haben Sie eine Mut- oder eine Angst-Biografie?

Wir haben gelernt, Menschen in Frauen und Männer, Gläubige und Ungläubige oder Einheimische und Ausländer einzuteilen. Alle diese konventionellen Zuordnungen verlieren laufend an Bedeutung und werden vielleicht einmal ganz verschwinden. Wir werden sie nicht vermissen. Ein gravierender Unterschied allerdings wird bestehen bleiben und stets über Erfolg und Lebensqualität entscheiden. Die Kernfrage: Werden Sie von Angst oder von Mut bestimmt?

Ich liebe meine Berufskarriere! Nicht, weil sie schön linear von unten nach oben verlaufen wäre oder weil ich Millionen verdient hätte, sondern vielmehr deshalb, weil ich wundervolle Menschen kennengelernt habe. Obwohl ich introvertiert bin, haben Menschen und Biografien mein Leben am meisten bereichert. Und ich habe viele davon gesehen: Als Sonderpädagoge habe ich in der geschlossenen Psychiatrie hochsensible Kinder unterrichtet, die in der öffentlichen Schule keinen Platz mehr hatten, und mein Herz im Sturm erobert haben. Als Moderator habe ich Podiumsgespräche mit peinlichen Selbstdarstellern und unscheinbaren Genies geführt. Als Werber habe ich Unternehmer kennengelernt, die Marktbegleitern Ideen abgekupfert und als ihre eigenen verkauft haben, und solche, die unerschütterlich an ihre Ideale geglaubt und gestärkt aus Krisen hervorgegangen sind.

Begegnungen haben mich gelehrt: Kriterien wie Aussehen, Gesundheit, Bildungsstand, Herkunft oder diagnostisch eruierte Persönlichkeitsanteile haben kaum Aussagekraft. Was den Unterschied macht, ist der Mut eines Menschen. Denn Mutige:

  • stellen sich ihren Sehnsüchten und Träumen und arbeiten beharrlich an deren Umsetzung. 
  • können loslassen und den Weg ihres Herzens gehen. Sie orientieren sich weniger an Matrix, Paradigmen und Mainstream.
  • getrauen sich immer wieder aufs Glatteis und akzeptieren gelegentliche Stürze.
  • sind herzlich und humorvoll bis zur Selbstironie. 
  • widmen sich empathisch ihren Mitmenschen und tun ihnen Gutes.
  • haben bis ans Lebensende eine unbändige Lust, Neues zu lernen.
  • haben die Gelassenheit, sich nicht so wichtig zu nehmen. Sie wissen, dass ihr Leben beschränkt ist, dass Materielles sie nicht erfüllen kann und dass das grösste Glück darin liegt, bewusst zu leben, in welchem Kontext auch immer. Sie können den Moment geniessen.

Dass Angst statt Mut das Leben dominiert, erkennt man oft an Stress und Krankheit. Angstbestimmte Menschen verhalten sich so:

  • Sie wirken unruhig, hektisch sowie getrieben und leiden unter Kontrollzwang.
  • Sie glauben stets, sie kämen zu kurz oder würden etwas verpassen. Dies führt zwangsläufig zu Neid, Eifersucht und latenter Wut auf andere.
  • Mit ihrem Fokus auf Gefahren und Defizite fühlen sie sich fast permanent erschöpft und ausgebrannt. Sie leiden unter anderem an Herz- und Kreislaufbeschwerden oder Asthma.
  • Sie scheuen Risiken und werden geizig.
  • Abhängig von Aufmerksamkeit und Bestätigung, tun sie alles, um Erfolg und Attraktivität auszustrahlen und den Schein zu wahren. 
  • Sie bewegen sich häufig an der Grenze zu unlauterem Verhalten.
  • Sie sind zutiefst frustriert und suchen verzweifelt nach Sinn und Erfüllung. Dies macht sie anfällig für Ideologien und Konsumrausch.

Wer von Angst bestimmt wird, ist nie selber Schuld. Die Ursache liegt in den meisten Fällen an frühkindlicher Prägung (Erziehung, Religiosität, Missbrauch) oder an Ereignissen (Unfall, Verlust, Trauma). Deshalb ist die Frage nach einer Mut- oder Angst-Biografie mit keiner Wertung verknüpft. Da allerdings die Auswirkungen von Mut und Angst auf Lebensqualität und Erfolg geradezu gigantisch sind, lohnt es sich immer, der Angst in die Augen zu sehen, sich ihr zu stellen und sie sukzessive durch Mut zu ersetzen. 

Was tun gegen Angst?
Als Mensch haben Sie gegenüber anderen Tieren einen Riesenvorteil: Sie können ihre Angst therapeutisch bewältigen. Wahlweise durch Analyse, Verhaltenstherapie, Rational-Emotive Therapie, Hypnose, Reframing oder Gesprächstherapie. Welche Therapie Sie wählen, ist nebensächlich. Hauptsache, Therapeut/-in und Therapieform passen zu Ihnen. Denn eines ist sicher: Wollen Sie in die Erfolgsspur, müssen Sie Ihre Ängste bewältigen.

Herzlich
André Kesper

PS: Eine Ergänzung scheint mir wichtig: Der Unterschied zwischen Mut- und Angst-Biografie trifft bei weitem nicht nur auf Menschen, sondern genauso auf alle anderen Organismen zu. Zum Beispiel auf Institutionen (Schulen, Parteien, Religionen) oder Unternehmen. So sterben viele KMU nicht am wirtschaftlichen Druck, sondern an der Angst. Auch hier gilt: Wollen Sie in die Erfolgsspur, … (siehe oben)

André Kesper beschäftigt sich seit 30 Jahren intensiv mit Identitäten und Biografien: als Pädagoge, Werber und Headhunter. Sein Credo: «Ausstrahlung ist die Folge geklärter Identität.» Er arbeitet derzeit als Evaluator an der öffentlichen Volksschule sowie als selbstständiger Kommunikationsberater, Moderator und Headhunter. Sie finden ihn hier.

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